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Ansehen Deutschlands unter den Nato-Partnern hoch

Verbandsmitglied Brigadegeneral Reinhard Kuhn, Nationaler Militärischer Vertreter bei SHAPE, berichtet im Vorfeld des Nato-Gipfels von einer gestärkten Rolle Deutschlands im Bündnis, weist aber auch auf steigende Ansprüche hin.

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Brigadegeneral Reinhard Kuhn

Im militärstrategischen Hauptquartier der Nato (Supreme Headquarters Allied Powers Europe, kurz SHAPE) in Mons/Belgien vertritt der Nationale Militärische Vertreter auf Weisung des Verteidigungsministeriums die deutschen Inte­ressen. Daneben erfolgt durch die Dienststelle die Führung und Betreuung der am Standort SHAP­E eingesetzten deutschen Soldaten sowie deren Familien. Derzeit verrichten rund 230 Soldaten Dienst in den verschiedenen Dienststellen „auf SHAPE“.

Die gestiegene Bedeutung der Nato als Rückgrat der kollektiven Landes- und Bündnisverteidigung vor dem Hintergrund einer insgesamt krisenhaften Entwicklung der sicherheitspolitischen Lage in direkter Nachbarschaft zum Bündnisgebiet ist unbestritten. Die Staats- und Regierungschefs der Nato-Mitgliedstaaten haben beim Gipfeltreffen in Wales im September 2014 umfangreiche Maßnahmen beschlossen, um die Reaktions- und Durchsetzungsfähigkeit des Bündnisses deutlich zu steigern. Im Juli dieses Jahres wird beim Gipfeltreffen in Warschau Bilanz gezogen. Der Chef des Stabs des Hauptquartiers SHAPE, General Werner Freers, wird dazu in einer späteren Ausgabe des Magazins zu Wort kommen.

Die 1990er und 2000er Jahre haben den Nato-Mitgliedstaaten erlaubt, die Umfänge der Streitkräfte erheblich zu reduzieren. Viele Staaten haben dabei teilweise drastische Kürzungen vorgenommen und verfügen heute über Streitkräfte, die so knapp zugeschnitten sind, dass einzelne Fähigkeiten nicht mehr durchhaltefähig vorgehalten werden oder sogar gänzlich weggefallen sind. Die Bundeswehr hat, bei aller Kritik am Spar­zwang der vergangenen Jahre, sich immerhin ein breites Kräftespektrum erhalten, wenngleich es in manchen Bereichen um die Durchhaltefähigkeit nicht zum Besten bestellt ist. Der Trend zur steten Verkleinerung der Bundeswehr wird dieser Tage gerade angehalten und ein moderater Aufwuchs eingeleitet, um überzogene Entwicklungen der letzten Jahre wieder auszugleichen, was der Deutsche BundeswehrVerband ausdrücklich begrüßt.

Die deutschen Soldaten auf SHAPE empfinden es durchweg als Gewinn, direkt an den Planungen der Nato mitwirken zu können. Reinhard KuhnGrößere Abbildung anzeigen
Die deutschen Soldaten auf SHAPE empfinden es durchweg als Gewinn, direkt an den Planungen der Nato mitwirken zu können. Reinhard Kuhn

Im Vergleich der Nato-Mitgliedstaaten verfügt Deutschland über Streitkräfte, die in den Fähigkeiten breit und mit moderner Ausrüstung aufgestellt sind. Eine gute wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland mindert zudem den Druck auf den Haushalt; mit dieser Wahrnehmung durch unsere Bündnispartner steigen aber auch deren Ansprüche an den deutschen militärischen Beitrag, gerade auch im Zusammenhang mit den aktuellen Anpassungen der Nato. Die Bundesregierung hat die besondere Bedeutung eines quantitativ angemessenen und qualitativ hochwertigen deutschen Beitrags auch als kohä­sionsförderndes Element im Bündnis erkannt und entsprechend reagiert. Neben der nominellen Erhöhung der Verteidigungsausgaben, die international aufmerksam registriert wird, ist es vor allem auch der schnell zur Verfügung gestellte militärische Beitrag, der die deutsche Rolle im Bündnis gestärkt hat. Dieses Jahr ist die Bundeswehr erneut einer der größten Truppensteller im Bereich der „Standing Naval Forces“, stellt erneut für vier Monate einen Beitrag zum Baltic Air Policing, entsendet mehrere Kompanien für jeweils bis zu vier Monate für Übungen und Ausbildung in die östlichen Nato-Mitgliedstaaten und nimmt mit mehreren Tausend Soldaten an Nato-Übungen teil, um an dieser Stelle nur die wesentlichen Beiträge zu nennen. Daneben stellt Deutschland in enger Zusammenarbeit mit den Niederlanden und Norwegen als Rahmennationengruppe die VJTF (Very High Readiness Joint Task Force) 2019 auf – ein Beitrag, der in den Jahren 2018 bis 2020 eine erhebliche Bindungswirkung für die Bundeswehr mit sich bringen wird. Deutschland hat – ebenfalls mit den Niederlanden und Norwegen – hierzu schon wichtige Erfahrungen im letzten Jahr durch die Verantwortung als Rahmennationengruppe für die vorläufige VJTF gesammelt. Dieses umfangreiche Engagement ist konkreter und sichtbarer Ausdruck deutscher Bündnissolidarität und trägt wesentlich zur hohen Wertschätzung durch unsere Allierten bei.

Der Nationale Militärische Vertreter bei SHAP­E stellt eine unverzichtbare Scharnierfunktion dar zwischen dem deutschen nationalen und dem internationalen Bereich über die gesamte Bandbreite der Themen von Truppenbeiträgen für Nato-Operationen über Abstellungen von Einzelpersonal bis hin zu Beiträgen zu Planungsprozessen. Die deutschen Soldaten auf SHAPE, ob direkt beim Nationalen Militärischen Vertreter oder in den internationalen Stabsbereichen eingesetzt, empfinden es durchweg als Gewinn, in einer turbulenten und von Umbrüchen geprägten Zeit direkt an der Weiterentwicklung und den Planungen der Nato mitwirken zu können. Von Brigadegeneral Reinhard Kuhn

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Letzte Änderung am 11.7.2016


 
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