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Salafisten – die radikale islamistische Strömung in Deutschland

Salafisten protestieren in Solingen gegen die rechtsgerichtete Bewegung PRO NRW. Archivfoto: ddp images
Salafisten protestieren in Solingen gegen die rechtsgerichtete Bewegung PRO NRW. Archivfoto: ddp images

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von Salafisten geht eine besondere Gefährdung für die Sicherheit Deutschlands aus, obwohl sie nur eine kleine Minderheit unter Deutschlands Muslimen sind. Und die Bewegung wächst. Unser Experte Marwan Abou Taam hat eine umfangreiche Analyse zum Salafismus erstellt und erklärt, wie sich Salafisten in Deutschland organisieren. Hier einige Auszüge aus dem Artikel ...

Der Salafismus wird als Weltanschauung in Vereinen, Moscheen, im Internet, aber auch in kleinen Gruppen und von Einzelpersonen praktiziert. Die Anhänger betreiben einen regelrechten Personenkult um Prediger. Diese wiederum pflegen untereinander eine flache Hierarchie und unterhalten enge Beziehungen, die sich in erster Linie auf Islamseminare konzentrieren. Diese Islamseminare sind die wichtigste Institution der deutschen Salafisten, wenn auch nur informell.

In den vergangenen Jahren wurden die Gruppierung "Millatu Ibrahim“, "An-Nussrah" und das Missionierungsnetzwerk "DawaFFM" sowie "Tauhid Germany", durch das Bundesinnenministerium mit dem Vorwurf, gegen die verfassungsmäßige Ordnung und den Gedanken der Völkerverständigung gerichtet zu sein, verboten. Letztere hatte dazu aufgerufen, gegen den Staat und seine Vertreter zu kämpfen.

Die geschätzte Zahl der aus der EU nach Syrien und den Irak ausgereisten „ausländischen Kämpfer“ liegt bei 7000 Personen. Diese Zahl ist jedoch relativ, da in den verschiedenen EU-Staaten uneinheitlich gezählt wird. Die meisten dieser Kämpfer kommen aus westeuropäischen Ländern mit einer großen muslimischen Gemeinde und hatten vor ihrer jeweiligen Ausreise regen Kontakt zur jeweiligen salafistischen Szene. Aus Deutschland haben sich 680 Personen im Alter zwischen 13 bis 63 Jahren auf dem Weg nach Syrien gemacht, wobei die Gruppe derjenigen zwischen 16-25 bei weitem überwiegt.

Die meisten Kämpfer sind sunnitische Muslime der dritten Generation, Kinder von Einwanderern aus der Region des Vorderen Orients. Andere sind junge Konvertiten aus der „Ureinwohnerschaft“ ohne Migrationshintergrund. Während die meisten ausländischen Kämpfer alleinstehende Männer sind, nimmt die Zahl der Frauen, die in die Kriegsregion ziehen, stark zu, auch Kinder werden zunehmend von ihren Eltern mit in den Sog des Jihad hineingezogen. Die Mehrheit der Betroffenen sind klassische Schulbildungsverlierer.

Diskriminierungsgefühle werden geschürt und instrumentalisiert, um Anhänger anzuwerben. Die jihadistischen Salafisten legitimieren ihre Aktionen durch die Religion und vertreten die Position, dass der militärische Jihad eine Pflicht für jeden Muslim ist und im Prinzip keine Beschränkungen in der Wahl der Mittel kennt. Dies gilt bis das Ziel der universellen Umsetzung islamisch-weltanschaulicher Prinzipien erreicht wurde. Somit ist der Jihadismus eine klare Kampfdoktrin, die jeden Gläubigen verpflichtet, den Kampf für die Errichtung und Bewahrung eines islamischen Staates aufzunehmen.

Selbstethnisierung sowie Diskriminierung von außen werfen Fragen nach der Identität vieler muslimischer Jugendlicher auf. Hierbei ist die Verteufelung der Muslime genauso gefährlich für die innere Sicherheit wie die Ausbreitung einer militanten Islaminterpretation.

Betrachtet man den Diskurs über die Ursachen der Radikalisierung von Ausreisenden und der damit einhergehenden Debatte über die richtige staatliche und gesellschaftliche Reaktion darauf, so muss festgestellt werden, dass bei allen Bemühungen keine schlüssige Theorie existiert, die die Mehrheit der Fälle erklären kann. Vorhandene Ansätze deuten lediglich bestimmte Aspekte eines Radikalisierungsprozesses, um in der Folge festzustellen, dass sich der Ansatz für die Analyse anderer Personenkreise nicht eignet.

Zur erfolgreichen Umsetzung von Deradikalisierungsmaßnahmen ist die Vernetzung von Teilkompetenzen (Polizei, Jugendämter, Migrationsbeauftragte, Integrationsministerium usw.) eine wichtige Voraussetzung. Dies gilt ebenfalls für die Einbindung muslimischer Partner. Die einzelnen Akteure können somit ihre jeweiligen Erfahrungen in islamisch geprägten Milieus einbringen und Synergien entwickeln, welche in Zeiten knapper finanzieller Mittel von besonderer Bedeutung sind.

Den vollständigen Artikel von Marwan Abou Taam finden Sie hier ...

Hintergrund:
Wie der Focus berichtete, stieg die Zahl dieser radikal-islamischen Aktivisten in Deutschland auf insgesamt rund 8.200. Einige hundert von ihnen gelten laut dem Magazin bei den Behörden als gewaltbereit. Im Jahr 2014 lag ihre Zahl noch bei etwa 6.800. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise stieg die Zahl der Salafisten von 1.900 im Jahr 2014 auf 2.500 in 2015, in Berlin von 570 auf 630 und in Hessen von 1.500 auf 1.650.

Als Konsequenz der derzeit angespannten politischen Lage plant die Bundesregierung eine Verdoppelung der 50 Millionen Euro, die pro Jahr für das Programm „Demokratie leben“ zur Vorbeugung von politischem Extremismus ausgegeben werden. Wieviel Mittel mehr für Projekte gegen islamistischen Extremismus genutzt werden, ist allerdings nicht bekannt. Bislang seien dies jedes Jahr rund zehn Millionen Euro.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Letzte Änderung am 2.8.2016


 
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