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Dienstbekleidung und persönliche Ausstattung in der Bundeswehr

Eine Soldatin bei einer Veranstaltung der Bundeswehr in Berlin. Foto: dpa Größere Abbildung anzeigen
Eine Soldatin bei einer Veranstaltung der Bundeswehr in Berlin. Foto: dpa

„Mit Frauen über Klamotten diskutieren“, fasste scherzend eine Teilnehmerin die AG Soldatinnen zusammen, die sich diesen Monat in der Berliner Bundesgeschäftsstelle des Deutschen BundeswehrVerbands traf, um über Dienstbekleidung und persönliche Ausstattung in der Bundeswehr zu diskutieren. Dass dieses Thema aber elementare Auswirkungen auf notwendige soldatische Grundfertigkeiten von Soldatinnen hat, machte schon der Tagesordnungspunkt „Persönliche Schutzausstattung für Soldatinnen“ deutlich. Zu der zweitägigen Veranstaltung, die von Hauptmann Petra Böhm, stellvertretende Vorsitzende Sanitätsdienst geleitet wurde, nahmen rund 20 Soldatinnen aus den verschiedensten Verwendungen teil, die zum Teil gravierende Mängel zusammentrugen:

Ballistische Schutzwesten würden im Grundbetrieb überwiegend nicht in den passenden kleinen Größen bereitgestellt. Das beeinträchtige die Schutzwirkung und Kampfkraft erheblich. Fahrten in Kfz oder verschiedene Anschlagsarten mit der Waffe seien so beispielsweise nicht möglich. Weitere Beispiele für fehlende kleine Größen sind ABS-Schutzausstattung Overgarment, vor allem Handschuhe und Überziehschuhe, Winterhandschuhe, Kampfstiefel und unpassende Gefechtshelme. In vielen Einheiten fehle das Gewehr G36 mit verkürzten Schulterstützen und Pistolen P8 mit kleinerem Griffstück. Ziel müsse es sein, die in verschiedenen Einheiten derzeit getestete weiterentwickelte Bekleidung und Ausrüstungsgegenstände so rasch und flächendeckend wie möglich einzuführen.

Enrico Schlegel des Fachreferates für komplexe Dienstleistungen von der Bundeswehr trug zur Teileinheit "Team Bekleidung" vor. Foto: DBwV/StruntzGrößere Abbildung anzeigen
Enrico Schlegel des Fachreferates für komplexe Dienstleistungen von der Bundeswehr trug zur Teileinheit "Team Bekleidung" vor. Foto: DBwV/Struntz

„Nach der bereits im Jahr 2001 erfolgten Öffnung aller Verwendungen und Laufbahnen für Soldatinnen in der Bundeswehr, ist es heute nicht mehr hinnehmbar, dass Soldatinnen aufgrund von unpassender Schutzausstattung, Ausrüstung und Bekleidung schlechtere Bedingungen vorfinden. Dies ist dem noch immer stattfindenden Integrationsprozess und einer chancengerechten Teilhabe für Soldatinnen nicht zuträglich und spricht auch nicht für attraktive Dienstbedingungen“, sagte Böhm.

Ihre Kritik zur Ausstattung und Qualität der Berufskleidung wurden die Teilnehmerinnen an der richtigen Stelle los: Enrico Schlegel des Fachreferates für komplexe Dienstleistungen von der Bundeswehr war eingeladen, um über die Teileinheit "Team Bekleidung" vorzutragen. Er stellte unter anderem den Sachstand „Zertifizierter Warenkorb“ und das „Kampfschuhsystem Streitkräfte“ vor. Ziel sei hier, eine bessere Auswahlmöglichkeit einzurichten, um auf physiologische Besonderheiten einzugehen, womit ab 2017 zu rechnen sei. Die Soldatinnen kritisierten, für das neue Kampfschuhsystem sei wieder nicht auf spezielle anatomische Gegebenheiten der Soldatinnen geachtet worden: weder Leisten noch Schaft entsprächen einem gängigen Damenmodell. Allgemein sei der Größenschlüssel noch immer aus den 70er Jahren und damit stark veraltet. Die Folge: Vorhandene Größen werden aufgrund der schlechten Passform von Soldatinnen kaum genutzt. Schlegel entgegnete, eine Neuvermessung für Männer und Frauen sei aktuell in Planung – die Bereitstellung neu vermessener Größen solle ab 2019 erfolgen. Eine Sonderbekleidung für schwangere Soldatinnen solle bereits bis 2018 beschafft werden. Hier regten die Teilnehmerinnen an, auch nach der Beschaffung eine Wahlfreiheit einzurichten: Zivile Kleidung müsse unter diesen Umständen erlaubt sein.

Die neue aufgenommene fiskalische Bereitstellung von Ausstattung und Bekleidung für Soldatinnen bot ordentlich Diskussionsstoff. Foto: DBwV/StruntzGrößere Abbildung anzeigen
Die neue aufgenommene fiskalische Bereitstellung von Ausstattung und Bekleidung für Soldatinnen bot ordentlich Diskussionsstoff. Foto: DBwV/Struntz

Diskussionsstoff bot auch die neue aufgenommene fiskalische Bereitstellung von Ausstattung und Bekleidung für Soldatinnen wie Beispielsweise Sport-BH, Damenstrumpfhose und Damenhandtaschen, die erst frühestens 2017 greift, der Bekleidungszuschuss aber bereits zum 31.12.2015 gestoppt wurde – eine dringend erforderliche funktionierende Übergangsregelung gibt es bis heute nicht. Außerdem bemängelten die Teilnehmerinnen, dass die bereitgestellte Bekleidung – beispielsweise Diensthemden, Diensthosen, Jacken – häufig nur bei der ersten ausgelieferten Charge von guter Qualität, Folgeprodukte aber qualitativ minderwertiger produziert seien. Hier stellt sich die Frage nach einer objektivierbaren Qualitätskontrolle.
Der DBwV verweist an dieser Stelle an die den wenigsten bekannte aber inzwischen eingerichtete Beschwerdestelle. Beschwerden und Anregungen insbesondere zum Thema Bekleidung können von jedem an Beschwerden@lhbw.de geschickt werden.

Die AG Soldatinnen zeigte mit ihrer Veranstaltung, dass es um alles andere als um „Klamotten“ ging: Der DBwV führte eine konstruktive und ergebnisorientierte Diskussion über die Qualität und Abläufe der Bekleidung in der Bundeswehr, wodurch viele neue Anregungen mit auf den Weg gegeben wurden.
BS

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Letzte Änderung am 22.11.2016


 
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